Skip Navigation LinksVDE Verband Der Adolf-Slaby-Kreis

Verband 

Der  Adolf-Slaby-Kreis – der Ehrensenat des VDE 

Der Adolf-Slaby-Kreis ist der Ehrensenat des VDE. In ihn berufen werden herausragende Persönlichkeiten, die sich in ihrem Lebenswerk in besonderer Weise um den VDE und um die Elektro- und Informationstechnik verdient gemacht haben. Die wesentliche Aufgabe des Ehrengremiums, das nach dem ersten VDE-Vorsitzenden und Funktechnikpionier Adolf Slaby benannt ist, besteht insbesondere in der Beratung des VDE-Präsidiums in Grundsatzfragen.

Der Adolf-Slaby-Kreis ist gemäß der VDE-Satzung ein ständiger Ausschuss zur Unterstützung der Arbeit des VDE-Präsidiums. Das Forum, das als Ehrensenat des VDE fungiert, versammelt Spitzenkräfte aus Hochschulen, Forschungsinstituten und Unternehmen, die sich im Geist und Anspruch Slabys für den VDE und für die Elektro- und Informationstechnik engagieren. Die Mitglieder sind insbesondere die VDE-Ehrenmitglieder, die VDE-Ehrenringträger, die früheren VDE-Vorsitzenden/-Präsidenten, der amtierende VDE-Präsident und der amtierende Vorstandsvorsitzende des VDE. Alle vorgenannten Mitglieder sind ex officio-Mitglieder. Darüber hinaus können weitere Persönlichkeiten vom VDE-Präsidium berufen werden, die sich in herausragender Weise um den VDE und die Elektro- und Informationstechnik verdient gemacht haben. Die Aufgaben des Ehrengremiums erstrecken sich insbesondere auf die Beratung des VDE-Präsidiums in grundsätzlichen Fragen, die langjährige VDE-Erfahrung voraussetzen. Den Vorsitz des Adolf-Slaby-Kreises führt der jeweils amtierende VDE-Präsident.


Adolf Slaby

Adolf Slaby (1849–1913) gehörte als einer der Väter der drahtlosen Telegraphie in Deutschland zu den Gründern des VDE (1893) . Der Pionier der Funktechnik richtete mit Unterstützung der Elektroindustrie Berlins erstmals ein Laboratorium an der TH Charlottenburg ein, war der erste Ordinarius für Elektrotechnik an der TH Charlottenburg  und der erste Vorsitzende des VDE (1893-1896). Im Anschluss an Marconi, an dessen wegweisenden Experimenten er teilnahm, gelang ihm 1897 mit einem verbesserten Versuchsaufbau zuerst an der TH Charlottenburg, dann zwischen Sacrow und der Glienecker Brücke bei Potsdam die erste drahtlose Telegraphie in Deutschland. Adolf Slaby machte die Funktechnik populär und zählte durch seine Mitwirkung bei der Gründung des Unternehmens Telefunken (1903) auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu den Wegbereitern der Funktechnik. Darüber hinaus bewirkte er dank seines persönlichen Zugangs zu Kaiser Wilhelm II. viel für das gesellschaftliche Ansehen der Ingenieure, der Technik und der Technischen Hochschulen.

Adolf Slabys Leben und Werk zeichnet sich durch außergewöhnliche Verdienste um den technisch-wissenschaftlichen Fortschritt, um Forschung und Lehre, um die Etablierung und Fortentwicklung des Fachs Elektrotechnik sowie durch die Verbindung von Theorie und Praxis und von technisch-wissenschaftlichem, unternehmerischem und technologiepolitischem Engagement aus.

1849 als Sohn eines Buchbinders in Berlin geboren, studierte Slaby an der Berliner Gewerbeakademie, dem Vorläufer der TH Charlottenburg, Maschinenbau und Mathematik. Da an den technischen Hochschulen noch keine Promotion möglich war, promovierte Slaby an der Universität Jena mit einer mathematischen Arbeit zum Dr. phil. Mit Hilfe der persönlichen Unterstützung von Werner von Siemens konnte sich Slaby 1876 an der Berliner Gewerbeakademie habilitieren. Im Rahmen seiner anschließenden Lehrtätigkeit für Mathematik und Mechanik an der Gewerbeschule Potsdam verfasste er eine Theorie der Gasmaschinen, die einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Ottomotors darstellt.

Nachdem Slaby an der Berliner Gewerbeakademie mehrere Semester Vorlesungen über Elektrische Kraftmaschinen, Elektrische Telegraphie und Elektromechanik gehalten hatte, gründete er 1884 ein Elektrotechnisches Laboratorium und wurde als Prädikatsprofessor dessen Leiter. 1886 wurde er ordentlicher Professor am Lehrstuhl für Theoretischen Maschinenbau und Elektrotechnik, der unter Mitwirkung von Werner von Siemens geschaffen wurde.

1893 wurde Slaby zum ersten Vorsitzender des neu gegründeten VDE gewählt. Zu dieser Zeit erhielt er auch persönliche Zugang zu Kaiser Wilhelm II. Neben Vorträgen über Technik im Schloss wurden für den Kaiser auch experimentelle Vorlesungen an der TH Charlottenburg veranstaltet. Darüber hinaus setzte sich Slaby für die soziale Anerkennung der Ingenieure und die völlige Gleichberechtigung der Technischen Hochschulen mit den Universitäten ein. Damit verbunden war insbesondere das Promotionsrecht für die Technischen Hochschulen (1899).

1897 nahm Slaby an Marconis Versuchen mit der drahtlosen Telegraphie vor der englischen Kanalküste teil. Er erkannte die Tragweite der Erfindung und arbeitete an ihrer Verbesserung. Nachdem die ersten drahtlosen Telegraphie-Versuche an der TH Berlin stattgefunden hatten, gelang es Slaby am 7. Oktober 1897, eine Funkverbindung von Schöneberg nach Rangsdorf herzustellen, die mit 21 Kilometer einen Weltrekord darstellte. Im Folgejahr gelang eine Verbindung über 60 Kilometer von Berlin nach Jüterbog. Die wesentliche Verbesserung gegenüber Marconis Aufbau bestand darin, dass die Funkenstrecke nicht in der Sendeantenne lag, sondern in einem mit dem Antennenkreis induktiv gekoppelten Kreis. Aufgrund seiner Verdienste wurde Slaby 1898 Mitglied im preußischen Herrenhaus auf Lebenszeit.

Auch unternehmerisch wirkte Slaby, indem er sich 1903 an der Gründung der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H. System Telefunken durch AEG und Siemens & Halske beteiligte. Darüber hinaus war von 1906 bis 1912 – dem Jahr seiner Emeritierung - Vorstandsvorsitzender des Akademischen Vereins HÜTTE und Mitglied im literarischen Gesellschaftsverein „Tunnel über der Spree“.